Erfolgreiche Datenrettung

Die Situation

Der Kunde zog eine microSD-Karte aus einer Kamera. Die Karte hatte sich im Adapter verklemmt und saß etwas verkantet darin. Er holte sie mit einer Pinzette heraus. Er bemerkte nicht, dass dabei die winzige Kunststoffecke brach.

Einen Monat später kam er zurück. Die Kamera erkennt die Karte nicht mehr. Am Computer meldet sie „Es kann nicht vom Laufwerk gelesen werden”. Auf der Karte sind ein Urlaub, Fotos von der Hochzeit der Tochter und ein Jahrgang Fotos der Enkel. Die Karte hat er seit 6 Monaten, eine Samsung Pro Plus 512 GB — eine Spitzenkarte ihrer Zeit.

microSD-Karte Samsung Pro Plus 512 GB im ITHOPE-Labor — Detail der Kontaktflächen und des Kartenkörpers
Samsung Pro Plus 512 GB nach der Annahme. Die abgebrochene Ecke ist winzig, hat aber die Leiterbahnen unter der Oberfläche des Substrats unterbrochen.

Diagnostik

Unter dem Mikroskop sahen wir das erste Problem sofort — Mikrorisse, die von der abgebrochenen Ecke über das Substrat in Richtung Speicherchip verlaufen. Mehrere Leiterbahnen waren unterbrochen. Das zweite Problem deckte der PC3000 Flash auf — als wir die Karte über die Messstation in einen Adapter steckten, zeigte sie Überstrom (Aufnahme deutlich über Spezifikation). Das bedeutet einen Kurzschluss irgendwo im Inneren des Substrats.

Drei Szenarien: (1) ein mechanischer Kurzschluss zwischen der Versorgungs- und der Datenschicht der Leiterplatte, (2) ein beschädigter Controller, (3) ein beschädigter Speicherchip. Nur bei Szenario 3 droht ein tatsächlicher Datenverlust — die ersten beiden sind eine Frage von Mikrolöten und Neuadressierung.

Eine Röntgenkontrolle zeigte einen unversehrten Speicherchip. Theoretisch eine gute Nachricht. Praktisch bedeutete es, dass wir einen Chip-off machen müssten — den Chip vom Substrat ablösen, ihn extern löten und über den PC3000 Flash mit dem Samsung-Translator lesen.

Detail der Leiterbahnen der microSD-Karte unter dem Mikroskop — sichtbar unterbrochene Bahnen nach mechanischer Beschädigung der Ecke
Das Mikroskop zeigt unterbrochene Leiterbahnen. Dieser Anblick entschied das Vorgehen: Chip-off war sicherer als Mikrolöten.

Die Lösung

Die Arbeit dauerte zwei Wochen. Am anspruchsvollsten war die erste Etappe — der Chip-off selbst.

  1. Woche 1, Tage 1–3: Mechanische Reinigung der abgebrochenen Ecke, Identifizierung aller unterbrochenen Bahnen unter dem Mikroskop. Entscheidung für den Chip-off (das Lesen der microSD über einen Adapter war wegen des Kurzschlusses unmöglich).
  2. Woche 1, Tage 4–5: Auslöten des Speicherchips. microSD-Karten verwenden BGA-Chips, die auf das Substrat geklebt sind — das Temperaturprofil muss präzise sein, sonst werden die Mikrokugeln unter dem Chip zerstört. Infrarot-Lötstation mit überwachter Temperatur.
  3. Woche 1, Tage 6–7: Reballing des Chips — Aufbringen neuer Zinn-Mikrokugeln für den Anschluss an den Leseadapter. Unter dem Mikroskop, Handarbeit mit einer Genauigkeit von Zehntelmillimetern.
  4. Woche 2, Tage 8–10: Lesen des Chips über den PC3000 Flash Reader. Extraktion der Rohdaten des Speicherfelds ohne Interpretation.
  5. Woche 2, Tage 11–13: Rekonstruktion der FTL (Flash Translation Layer) aus dem Dump. Samsung verwendet einen proprietären Wear-Leveling-Algorithmus. Mit ihrem Translator erhielten wir die logischen Blöcke.
  6. Woche 2, Tag 14: Parsen des Dateisystems (exFAT), Export der Dateien, Prüfung der Integrität der JPG-Header. 76 % der Dateien fehlerfrei wiederhergestellt. 14 % mit teilweiser Beschädigung (fehlendes Ende des JPG — anzeigen geht, eine hochwertige Vorschau nicht). 10 % verloren (nicht gelesene Blöcke).

Das Ergebnis

  • 76 % der Daten wiederhergestellt (ca. 312 GB von 410 GB belegter Kapazität)
  • 14 Tage insgesamt
  • Der Kunde wählte die wichtigsten Fotos aus — die Hochzeit der Tochter vollständig, der Urlaub zu 90 %, Fotos der Enkel fehlen etwa 8 Monate (das lag im am stärksten beschädigten Teil des Speichers).
  • Er nahm die Daten auf zwei microSD-Karten plus einer Sicherung in die Cloud mit.

Erkenntnisse

microSD-Karten sind der physisch zerbrechlichste Speicher, den Sie verwenden. Sie sind 1 mm dünn, der Chip sitzt nur einen Millimeter unter der Oberfläche auf dem Substrat. Es reicht, die Spitze der kleinen Karte mit dem Finger falsch zu drücken, und sie bricht. Im Adapter darf sie sich nicht verklemmen. Im Telefon darf sie nicht mechanisch herausgehebelt werden.

Unsere Empfehlung:

  • Kopieren Sie Fotos aus der Kamera direkt nach der Rückkehr von einer Veranstaltung auf den Computer. Nicht „wenn ich Zeit habe” — sofort.
  • Verwenden Sie Karten als Transportmedium, nicht als Archiv. 5 Jahre im Regal = eine sehr reale Chance, dass sie nicht mehr lesbar sind.
  • Nehmen Sie zwei Karten in den Urlaub mit — eine im Einsatz, die andere als Sicherung in einer anderen Tasche.

Worauf Sie achten sollten

Wenn sich die Karte im Adapter verklemmt, hebeln Sie sie nicht mit einer Pinzette oder einem Schraubendreher heraus. Der richtige Ablauf: Drehen Sie den Adapter auf den Kopf, und die Karte fällt meist von selbst durch die Schwerkraft heraus. Wenn nicht, brechen Sie den Adapter vorsichtig auf — eine Karte für 400 Kč ist mehr wert als ein beschädigter Kunststoffadapter für 30 Kč.


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