Glossar
48 IT-Begriffe verständlich erklärt.
Wir erklären die Begriffe, denen Sie begegnen, wenn Sie sich mit Datenrettung, PC-Service oder Firmen-IT befassen. Von HDD bis ZFS, von BitLocker bis NIS2 — auf Deutsch, ohne Marketing.
17 Begriffe
Datenträger und Speicher
- HDD Hard Disk Drive
- Eine magnetische Festplatte mit rotierenden Scheiben und beweglichen Schreib-/Leseköpfen. Bis 2015 der häufigste Speicher in PCs, in Unternehmen auch heute noch für großvolumige Archive im Einsatz. Mechanisch empfindlich gegenüber Erschütterungen, mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von 3–7 Jahren im Dauerbetrieb. Mehr →
- SSD Solid State Drive
- Ein Datenträger ohne mechanische Teile auf Basis von Flash-Speicher (NAND). Beim wahlfreien Lesen/Schreiben um Größenordnungen schneller als eine HDD. Die Lebensdauer wird in geschriebenen Terabyte (TBW) gemessen. Unempfindlich gegen Erschütterungen, doch bei einem Defekt der Speicherchips oder des Controllers ist die Datenrettung aufwendig. Mehr →
- NVMe Non-Volatile Memory Express
- Ein modernes Protokoll für die Kommunikation mit einer SSD über den PCIe-Bus. 5–10× schneller als SATA (z. B. PCIe 4.0 x4 = 7 GB/s). Heute Standard in Notebooks und Servern. Bauform M.2 oder U.2. Mehr →
- M.2
- Eine physische Bauform — eine kleine Steckkarte für internen Speicher in Notebooks. Abmessungen 22×30 / 42 / 60 / 80 / 110 mm. Sie beherrscht sowohl das SATA- als auch das NVMe-Protokoll — eine Verwechslung ist ein häufiger Fehler beim Aufrüsten.
- SATA Serial ATA
- Eine Schnittstelle zum Anschluss von Datenträgern (HDD und SSD) — heute typischerweise SATA III mit 600 MB/s. In Notebooks zunehmend durch NVMe ersetzt, für große 2,5"/3,5"-HDDs aber weiterhin Standard.
- CMR Conventional Magnetic Recording
- Die herkömmliche Art, auf eine HDD-Scheibe zu schreiben — die Spuren überlappen sich nicht. Robust, mit vorhersehbarer Schreibleistung. Bevorzugt für RAID, NAS und Archivierung. Seagate IronWolf, WD Red Plus/Pro, Toshiba N300. Mehr →
- SMR Shingled Magnetic Recording
- Eine neuere Art, auf eine HDD-Scheibe zu schreiben, bei der sich die Spuren wie Dachschindeln überlappen. Höhere Aufzeichnungsdichte, aber langsames Überschreiben — eine Katastrophe in RAID-Verbünden und NAS-Systemen mit häufigen Schreibvorgängen. Riskant für die Datenrettung (empfindlicher gegenüber einem erneuten Schreibversuch bei Fehlern). Mehr →
- S.M.A.R.T. Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology
- Eine interne Datenträgerdiagnose, die fortlaufend den Zustand meldet (Anzahl neu zugewiesener Sektoren, Temperatur, Lesefehler, Betriebsstunden). Die Attribute lassen sich mit CrystalDiskInfo oder `smartctl` auslesen. Warnwerte bedeuten nur eines: den Datenträger nicht mehr verwenden und sofort sichern.
- TRIM
- Ein Befehl, mit dem das Betriebssystem der SSD mitteilt: „Diese LBA-Blöcke sind frei, du darfst sie auf Flash-Ebene löschen." Er verlängert die Lebensdauer und erhält die Geschwindigkeit. Nach dem Formatieren verbleiben auf einer SSD meist nur Metadaten — die Datenrettung ist dann sehr anspruchsvoll.
- Head Crash
- Der physische Kontakt zwischen Schreib-/Lesekopf und HDD-Scheibe — typischerweise nach einem Sturz oder Erschütterungen. Er beschädigt sowohl die Scheibe (eine Stelle ohne Magnetisierung) als auch den Kopf. Ein klickender Datenträger ist das typische akustische Anzeichen. Jeder weitere Startversuch verschlechtert den Zustand — es gilt die Regel „sofort ausschalten". Mehr →
- Reinraum Clean room
- Ein Raum mit kontrollierter Luftfilterung (Klasse 100 = < 100 Partikel ≥ 0,5 μm pro Kubikfuß). Erforderlich, um eine HDD zu öffnen — schon das kleinste Staubkorn auf der Scheibe verursacht innerhalb weniger Umdrehungen Schäden. Bei ITHOPE betreiben wir einen eigenen Reinraum. Mehr →
- Head Comb
- Ein Spezialwerkzeug, mit dem sich die Köpfe sicher aus einer HDD entnehmen lassen. Ohne es kollidieren die Köpfe miteinander oder mit der Scheibe. Für jede Datenträger-Baureihe gibt es ein anderes — Seagate F3, WD Enterprise und Toshiba MG unterscheiden sich.
- Firmware
- Ein Mikroprogramm, das auf dem Datenträger gespeichert ist (außerhalb des für den Nutzer zugänglichen Bereichs) und sein Verhalten steuert — Kopfkalibrierung, Sektor-Remapping, ECC, Power-Management. Eine fehlerhafte Firmware bedeutet, dass der Datenträger nicht normal reagiert und die Rettung spezialisierte PC-3000-Hardware erfordert.
- Platter
- Eine mit einer Magnetschicht beschichtete Scheibe aus Glas oder Aluminium — das physische Medium, auf dem HDD-Daten gespeichert sind. Sie rotiert in Consumer-Datenträgern mit 5.400 oder 7.200 U/min, in Enterprise-Geräten mit 10.000–15.000 U/min.
- NAND
- Die Art von Flash-Speicher, aus der SSDs und USB-Sticks aufgebaut sind. Varianten: SLC (1 Bit/Zelle, am zuverlässigsten, teuer), MLC, TLC, QLC (4 Bit/Zelle, am günstigsten, am anfälligsten für Verschleiß).
- Chip-off-Recovery
- Eine Rettungsmethode, bei der die Flash-Chips physisch von der Platine ausgelötet (USB-Sticks, Mobiltelefone, beschädigte SSDs) und mit einem spezialisierten Programmiergerät ausgelesen werden. Die Daten liegen in Rohform vor und müssen mithilfe von Kenntnissen über die FTL (Flash Translation Layer) rekonstruiert werden.
- JTAG Joint Test Action Group
- Eine Debug-Schnittstelle auf Mikrocontrollern und SoCs. In der Datenrettung wird sie genutzt, um den Speicher von Smart-Geräten ohne Demontage auszulesen — typischerweise ältere Mobiltelefone und Netzwerkgeräte.
7 Begriffe
RAID und NAS
- RAID 0
- Striping der Daten über 2+ Datenträger — steigert die Leistung, doch beim Ausfall eines Datenträgers verlieren Sie alles. Keine Redundanz. Wird für Videoschnitt, Scratch-Disk und Cache verwendet. Im Privatumfeld unnötig riskant. Mehr →
- RAID 1
- Spiegelung — dieselben Daten auf 2 Datenträgern. Übersteht den Ausfall von 1 Datenträger. Kapazität = 1 Datenträger. Die sicherste Wahl für kleine Server und Heim-NAS mit 2 Einschüben. Mehr →
- RAID 5
- Striping mit Parität — benötigt 3+ Datenträger, übersteht den Ausfall von 1 Datenträger, Kapazität = (N-1) × Datenträgergröße. Im KMU-Umfeld beliebt. Der Rebuild nach einem Ausfall dauert Stunden bis Tage, und ein weiterer Ausfall während des Rebuilds bedeutet Datenverlust. Mehr →
- RAID 6
- Striping mit doppelter Parität — 4+ Datenträger, übersteht den gleichzeitigen Ausfall von 2 Datenträgern. Heute die empfohlene Wahl für Verbünde über 8 TB. Der Rebuild ist langsamer als bei RAID 5, aber sicherer. Mehr →
- RAID 10
- Ein Stripe über gespiegelte Paare — 4+ Datenträger, das schnellste RAID mit Redundanz. Übersteht den Ausfall von 1 Datenträger je Paar. Wird für Datenbanken und Virtualisierung verwendet. Mehr →
- NAS Network-Attached Storage
- Ein eigenständiger Netzwerkspeicher (Synology, QNAP, Asustor, TerraMaster, WD My Cloud). Er enthält einen oder mehrere Datenträger im RAID und stellt sie über SMB/NFS/iSCSI bereit. Häufig kommen proprietäre RAID-Formate zum Einsatz (Synology SHR, QNAP QTS) — die Datenrettung erfordert Kenntnis der Besonderheiten. Mehr →
- SHR Synology Hybrid RAID
- Der proprietäre RAID-Algorithmus von Synology — er nutzt den Platz automatisch auch auf Datenträgern unterschiedlicher Größe. Unter der Haube eine Kombination aus mdraid + LVM + btrfs/ext4. Ein Rebuild erfordert, dass alle 3 Schichten korrekt zusammengesetzt werden.
4 Begriffe
Verschlüsselung
- BitLocker
- Das native Windows-Werkzeug zur Verschlüsselung ganzer Datenträger — AES 128/256 XTS. Der Schlüssel wird im TPM-Chip gespeichert und/oder durch ein Passwort geschützt. Der Wiederherstellungsschlüssel (48 Ziffern) ist die einzige Sicherung — ohne ihn sind die verschlüsselten Daten mathematisch unzugänglich. Mehr →
- FileVault
- Die native Verschlüsselung in macOS (ab 10.7 Lion). XTS-AES-128 mit 256-Bit-Schlüssel. Der Wiederherstellungsschlüssel ist ein 24-stelliger Code. Bei macOS mit T2/M1/M2-Chip ist FileVault stets aktiviert.
- LUKS Linux Unified Key Setup
- Das Standardformat für verschlüsselte Partitionen unter Linux (auf Basis von dm-crypt). Unterstützt mehrere Slots für Passwörter/Schlüssel. Ohne Passphrase oder Schlüsseldatei sind die Daten nicht wiederherstellbar — der Schlüssel lässt sich jedoch auf einem USB-Token ablegen.
- TPM Trusted Platform Module
- Ein Hardware-Chip in modernen PCs/Notebooks (oder Firmware-TPM — fTPM), der Verschlüsselungsschlüssel in einem sicheren Speicher aufbewahrt. Windows 11 setzt ihn voraus. Ein Austausch der Hauptplatine entwertet die an das TPM gebundenen Schlüssel — deshalb zahlt sich der Wiederherstellungsschlüssel aus.
10 Begriffe
Software und Dateisysteme
- NTFS
- Das Windows-Dateisystem — journaling, ACL-Rechte, Komprimierung, Verschlüsselung (EFS), große Dateien und Volumes. Standard für Windows-Partitionen. Die Datenrettung aus NTFS ist dank der verfügbaren Dokumentation gut unterstützt.
- APFS
- Apple File System (ab macOS 10.13) — Copy-on-Write, Snapshots, nativ verschlüsselt, für SSDs optimiert. Aufgrund der Aufteilung in Container und Volumes ist die Rettung komplexer als bei HFS+.
- ext4
- Das Standard-Dateisystem der meisten Linux-Distributionen — journaling, unterstützt große Volumes (bis 1 EiB) und Extents. Stabil und gut dokumentiert.
- btrfs
- Ein modernes Linux-Dateisystem mit Copy-on-Write, Snapshots, nativem RAID 1/5/6 und Komprimierung. Wird von Synology (DSM 6+) und Fedora verwendet. Die Rettung bei beschädigten Metadaten erfordert spezielle Werkzeuge.
- ZFS
- Ein Dateisystem und Volume-Manager der Enterprise-Klasse in einem — Prüfsummen für alle Blöcke, Self-Healing beim Lesen, Snapshots, Komprimierung, RAIDZ. TrueNAS, FreeBSD, Proxmox, Linux (ZFS on Linux).
- Bit Rot
- Die stille Degradation von Daten auf Datenträgern/Bändern — einzelne Bits kippen ohne Vorwarnung. Moderne Dateisysteme (ZFS, btrfs) erkennen dies mithilfe von Prüfsummen. Nach Jahren der Archivierung ohne Kontrolle kann ein Teil der Daten ungültig sein, obwohl der Datenträger „OK" meldet.
- Data Scrubbing
- Das regelmäßige Lesen aller Daten in einem RAID-/ZFS-Verbund und die Prüfung ihrer Konsistenz. Es deckt Bit Rot und defekte Sektoren auf, bevor sie zum Verlust führen. Empfohlen einmal im Monat.
- Active Directory AD
- Der zentrale Verzeichnisdienst von Microsoft — er verwaltet Benutzer, Computer, Gruppen und Group Policy innerhalb einer Domäne. Das Rückgrat von Windows-Unternehmensumgebungen. Das Cloud-Pendant: Microsoft Entra ID (früher Azure AD).
- Microsoft 365 M365
- Die Cloud-Plattform von Microsoft (Exchange Online, SharePoint, Teams, OneDrive, Office Desktop/Web). Die Standardwahl für Unternehmen mit 5–500 Mitarbeitenden. Sie verfügt über keine native Langzeitarchivierung — diese muss durch einen Drittanbieter ergänzt werden (Altaro, Acronis, Veeam).
- BIOS / UEFI
- Die Firmware der Hauptplatine — sie initialisiert die Hardware und lädt den Bootloader. UEFI (das neuere) unterstützt GPT, Secure Boot und ein grafisches Menü. Eine BIOS-Sperre (Supervisor-Passwort) erschwert den Service — für das Zurücksetzen ist ein spezialisiertes Vorgehen oder der Austausch eines Bauteils nötig.
5 Begriffe
Netzwerke und Sicherheit
- VLAN Virtual LAN
- Die logische Trennung eines Netzwerks am Switch auf Schicht L2. Sie ermöglicht es, den Verkehr zu segmentieren (Gast-WLAN, VoIP, IoT), ohne separate Hardware. Für Unternehmen für die NIS2-Compliance erforderlich.
- VPN Virtual Private Network
- Ein verschlüsselter Tunnel zwischen Netzwerken oder zwischen einem Client und einem Netzwerk. Einsatz: Remote-Zugriff (WireGuard, OpenVPN), Verbindung von Standorten (IPsec). Das frei verfügbare WireGuard ersetzt heute ältere Lösungen.
- NIS2
- Eine EU-Richtlinie zur Cybersicherheit, seit 10/2024 in Kraft. Sie weitet NIS1 auf weitere Branchen aus — sie betrifft Unternehmen mit 50+ Mitarbeitenden in den aufgeführten Sektoren. Sie verlangt organisatorische und technische Maßnahmen (MFA, Logging, Incident Response, Audits). Mehr →
- MFA Multi-Factor Authentication
- Eine Anmeldung, die durch zwei oder mehr Faktoren bestätigt wird (Passwort + Token/TOTP/Biometrie). Heute das Minimum für Firmenkonten — MFA stoppt 99 % der Angriffe auf kompromittierte Konten.
- EDR Endpoint Detection and Response
- Fortgeschrittener Schutz von Endgeräten — Telemetrie, Verhaltensanalyse, Response-Playbooks. Ersetzt das klassische „Antivirus". Bitdefender GravityZone, Microsoft Defender for Endpoint, SentinelOne.
5 Begriffe
Allgemeine Begriffe
- 3-2-1-Backup
- Die Standardregel: 3 Kopien der Daten, auf 2 verschiedenen Medientypen, 1 Kopie außer Haus. Sie schützt vor Hardwareverlust, Ransomware und physischen Katastrophen. Mehr →
- RPO Recovery Point Objective
- Der maximal akzeptable Datenverlust über die Zeit — „Wie viele Daten dürfen wir verlieren?". Er hängt von der Häufigkeit der Sicherungen ab. RPO von 1 h = Sie sichern jede Stunde.
- RTO Recovery Time Objective
- Die maximal akzeptable Ausfallzeit — „Wie schnell müssen wir wieder online sein?". Sie bestimmt, wie viel in Redundanz und einen Disaster-Recovery-Plan zu investieren ist.
- DoD 5220.22-M
- Der US-Standard für sicheres Löschen von Daten — ein mehrstufiges Überschreiben. Bei ITHOPE setzen wir ihn bei der Rückgabe vermieteter Notebooks und nach der Übergabe wiederhergestellter Daten ein.
- No recovery, no fee
- Das Abrechnungsprinzip in der Datenrettung — lassen sich die Daten nicht wiederherstellen, zahlt der Kunde nichts (abgesehen von etwaigem Versand). Verpflichtet sind wir dazu durch eine Regel: Für die Diagnose wird nichts berechnet.
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