Gebrauchtes MacBook vor dem Kauf prüfen: 10 entscheidende Punkte

Schnelle Antwort

Die Antwort vorweg: Ein gebrauchtes MacBook lässt sich am Tisch in zwanzig Minuten gründlich prüfen – allerdings nur, wenn es eingeschaltet und aufgeladen ist und der Verkäufer angemeldet ist. Ermitteln Sie zuerst das genaue Modell und die Seriennummer, danach die Anzahl der Batteriezyklen und den Batteriezustand und schließlich den Status der Aktivierungssperre. Kaufen Sie niemals ein Gerät, auf dem der Verkäufer noch mit seinem Apple Account angemeldet ist und das er nicht gelöscht hat – solange dies nicht erledigt ist, handelt es sich um das Gerät eines anderen. Andere Befunde wie ein abgenutztes Gehäuse, eine klemmende Taste oder 700 Zyklen sind Argumente für die Preisverhandlung, aber kein Grund, sofort Abstand vom Kauf zu nehmen.

Der häufigste Fehler beim Gebrauchtkauf ist nicht ein schlechter Preis. Es ist die falsche Reihenfolge: Viele einigen sich zuerst und stellen erst danach fest, was sie eigentlich gekauft haben. Dieser Artikel geht umgekehrt vor – zehn Prüfungen, geordnet danach, wie schnell sie Sie vor einem Fehlkauf bewahren.

1. Das genaue Modell, nicht die Verkaufsbezeichnung

Das „13 Zoll MacBook Pro“ gibt es in Dutzenden Ausführungen, die sich bei der Reparierbarkeit und der verbleibenden Dauer der Systemunterstützung erheblich unterscheiden. Lassen Sie sich vom Verkäufer die Modellidentifizierung und die Seriennummer geben, bevor Sie sich auf den Weg machen.

Vor Ort finden Sie diese Angaben über das Apple-Menü → Über diesen Mac. Apple bietet dafür eigene Identifikationsseiten an, auf denen zu jedem Modell die Modellidentifizierung (zum Beispiel MacBookPro16,2 oder MacBookAir10,1), Teilenummern und die neueste kompatible Systemversion aufgeführt sind. Wie sich das Modell anhand eines Fotos oder Accounts auch aus der Ferne bestimmen lässt, erklären wir im Artikel So ermitteln Sie vor einer Anfrage das genaue Modell eines Apple-Geräts.

Lassen Sie sich die Seriennummer vom Verkäufer geben, veröffentlichen Sie sie jedoch nicht. Sie sollte nur auf offiziellen Seiten eingegeben oder einem konkreten Empfänger mitgeteilt werden.

2. Batteriezyklen: die einzige harte Zahl bei der gesamten Prüfung

Die Batteriezyklen gehören zu den aussagekräftigsten Angaben bei einem gebrauchten MacBook – diesen Zähler kann man nicht mit einem Tuch aufpolieren.

Halten Sie die Alt-Taste gedrückt, klicken Sie auf das Apple-Menü und wählen Sie Systeminformationen. Wählen Sie im Bereich Hardware den Eintrag Stromversorgung; die aktuelle Anzahl der Zyklen finden Sie unter Batterieinformationen.

Die maximale Anzahl der Zyklen unterscheidet sich je nach Generation. Apple führt sie in einer Tabelle auf. Bei der überwiegenden Mehrheit der Geräte, die heute tatsächlich gebraucht angeboten werden, liegt sie bei 1000 Zyklen:

GenerationMaximale Zyklenzahl laut Apple
MacBook Air (11″, 13″ und 15″) ab dem Modell Ende 2010, einschließlich M1 2020 bis M51000
MacBook Pro ab dem Modell Mitte 2009, einschließlich M1 2020 bis M5 Pro/Max1000
MacBook (Retina, 12″, 2015–2017) sowie MacBook 13″ von Ende 2009 und Mitte 20101000
MacBook (13″, Aluminium, Ende 2008), MacBook Air (Mitte 2009), MacBook Pro (15″, Ende 2008)500
Sonstige Modelle aus den Jahren 2006–2008 und MacBook Air (Ende 2008)300

Laut Apple ist die Batterie so ausgelegt, dass sie beim Erreichen der maximalen Zyklenzahl noch bis zu 80 % ihrer ursprünglichen Kapazität besitzt. Nach Erreichen dieses Grenzwerts kann sie weiterverwendet werden, allerdings mit kürzerer Laufzeit.

Praktisch bedeutet das: 180 Zyklen bei einem fünf Jahre alten Gerät sprechen für eine nahezu neue Batterie. 950 Zyklen bedeuten, dass Sie die Kosten eines Batteriewechsels direkt in den Kaufpreis einrechnen sollten.

3. Batteriezustand und die Meldung „Service empfohlen“

Die Zyklen zeigen, wie viel die Batterie bereits geleistet hat. Der Batteriezustand zeigt, wie es ihr jetzt geht. Unter Systemeinstellungen → Batterie zeigt Apple entweder Normal oder Service empfohlen an. Die zweite Meldung bedeutet, dass die Batterie weniger Ladung als im Neuzustand hält oder nicht normal funktioniert. Das Gerät lässt sich weiterhin verwenden, ein Austausch sollte jedoch eingeplant werden.

Bei Notebooks mit Apple Chip ist außerdem ein Batteriezustandsmanagement aktiv, das den Ladezustand bewusst niedriger hält, um die chemische Alterung zu verlangsamen. Ein Wert unter 100 % ist bei einem fast neuen Gerät daher für sich allein noch kein Defekt.

Apps von Drittanbietern, die den Zustand in Prozent anzeigen, können laut Apple ungenau sein. Wenn der Verkäufer mit einem Screenshot aus einer solchen App argumentiert, lassen Sie sich die Batterieanzeige direkt im System zeigen.

4. Aktivierungssperre und abgemeldeter Apple Account – hier fällt die Entscheidung

Bei diesem Punkt gibt es keinen Spielraum. Die Aktivierungssperre soll verhindern, dass Unbefugte einen fremden Mac verwenden. Solange das Gerät mit dem Account des Verkäufers verknüpft ist, bleibt es dessen Gerät – unabhängig davon, welche Erklärung er Ihnen unterschreibt.

Vor der Bezahlung müssen beide Schritte abgeschlossen sein:

  1. Der Verkäufer ist von seinem Apple Account abgemeldet.
  2. Der Mac wurde gelöscht – Apple bietet dafür die Funktion Alle Inhalte & Einstellungen löschen und eine eigene Anleitung dazu, was vor dem Verkauf oder Verschenken eines Mac zu tun ist.

Im Idealfall geschieht dies in Ihrer Gegenwart. Anschließend durchlaufen Sie den Einrichtungsassistenten selbst bis zum Schreibtisch. Aussagen wie „Ich lösche ihn später zu Hause und schicke dir das Passwort“ sind ein Grund, den Kauf aufzuschieben – kein Anlass für einen Preisnachlass.

5. FileVault: ein mit fremdem Schlüssel verschlüsseltes Laufwerk

FileVault verschlüsselt den Inhalt des Laufwerks und entsperrt ihn mit dem Anmeldepasswort des Benutzers oder einem Wiederherstellungsschlüssel. Wenn Sie ein Gerät übernehmen, auf dem FileVault aktiviert und der Account des Verkäufers noch nicht gelöscht ist, erhalten Sie ein Laufwerk, dessen Inhalt Ihnen nicht gehört und dessen Sperre Sie nicht kontrollieren. Bei der Übergabe sollte ein nach dem Löschen frisch eingerichtetes System vorliegen. Dieses können Sie anschließend mit Ihrem eigenen Account und Ihrem eigenen, nicht weitergegebenen Schlüssel verschlüsseln.

6. Teile- und Serviceverlauf – aber nur bei bestimmten Macs

Apple zeigt im System den Bereich Teile & Service an. Unter Systemeinstellungen → Allgemein → Info wird bei reparierten Geräten angegeben, ob bei der Reparatur Originalteile verwendet wurden. Mögliche Meldungen sind Originalteil, Unbekanntes Teil, Nicht überprüft und Gebrauchtes Teil.

Zwei Einschränkungen verhindern, dass dieser Punkt als allgemeingültiger Test funktioniert:

  • Die Funktion erfordert einen Mac mit Apple Chip und macOS Tahoe 26 oder neuer. Auf einem Intel-MacBook ist sie schlicht nicht vorhanden.
  • Der Bereich wird nur angezeigt, wenn der Mac erkennt, dass er repariert wurde. Wurde ein Teil mehrfach repariert, erscheint lediglich der letzte Servicevorgang.

Welche Teile erfasst werden, hängt vom Modell ab. Apple nennt das Logic Board, das Touch-ID-Board, den Deckelwinkelsensor und bei einigen Modellen auch das Display. Was die einzelnen Meldungen in der Praxis für den Preis und spätere Reparaturen bedeuten, erläutert der Artikel Originales, gebrauchtes, generalüberholtes oder Aftermarket-Ersatzteil für das MacBook.

Fehlt der Bereich „Teile & Service“, ist das daher kein Beweis dafür, dass das Gerät nie repariert wurde. Es bedeutet lediglich, dass keine entsprechende Information vorliegt.

7. Tastatur: jede Taste prüfen, nicht nur die Leertaste

Öffnen Sie einen Texteditor und testen Sie wirklich jede Taste, einschließlich Funktionstasten, Pfeiltasten und Sondertasten. Eine klemmende, doppelt auslösende oder gar nicht reagierende Taste lässt sich bei einem MacBook in der Regel nicht durch den Austausch einer einzelnen Taste beheben.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen MacBook-Pro- und MacBook-Air-Modelle der Jahre 2016 bis 2019 mit Butterfly-Tastatur. Bei dieser Generation ist die Tastatur bekanntermaßen eine Schwachstelle. Es ist daher vernünftig, mit einem möglichen späteren Eingriff zu rechnen. Diese Überlegung behandeln wir auch im Artikel Älteres MacBook reparieren oder ein neues kaufen.

Prüfen Sie außerdem die Hintergrundbeleuchtung: Stellen Sie sie in einem abgedunkelten Raum auf die Hälfte und achten Sie darauf, ob einzelne Tasten anders ausgeleuchtet sind.

8. Trackpad, Anschlüsse und Lautsprecher

  • Trackpad: Klicken Sie in alle vier Ecken und in die Mitte. Ein ungleichmäßiger Widerstand oder ein lauteres Klicken auf einer Seite ist häufig das erste Anzeichen für eine darunterliegende aufgeblähte Batterie.
  • Anschlüsse: Testen Sie jeden USB-C-/Thunderbolt-Anschluss einzeln – sowohl zum Laden als auch zur Datenübertragung. Ein Kabel an einem einzigen Anschluss reicht nicht aus. Dasselbe gilt für MagSafe, sofern das Modell darüber verfügt.
  • Ton, Kamera und Touch ID: Spielen Sie ein kurzes Video bei maximaler Lautstärke ab, um auf Knarzen oder Scheppern zu achten, und registrieren Sie einen neuen Fingerabdruck. Letzteres ist nur in einem frisch eingerichteten System möglich, siehe Punkt 4.

9. Display: tote Pixel, Ausleuchtung und Schatten an den Rändern

Prüfen Sie das Display zunächst mit einer vollständig weißen und danach mit einer vollständig schwarzen Fläche bei maximaler Helligkeit. Achten Sie auf tote oder festhängende Pixel – auf Weiß sind sie am besten sichtbar –, eine ungleichmäßige Ausleuchtung an den Rändern, typischerweise in Form hellerer Streifen oder Flecken am unteren Rand, auf Schatten und graue Flecken infolge von Druck oder früherem Flüssigkeitseintritt sowie auf eine sich ablösende Antireflexbeschichtung, die wie nicht abwischbare Schlieren oder Landkarten aussieht.

Schließen und öffnen Sie den Deckel mehrmals. Beobachten Sie dabei, ob das Bild flackert und ob das Display beim Schließen tatsächlich in den Ruhezustand wechselt.

10. Anzeichen für Flüssigkeitsschäden und frühere Eingriffe

Flüssigkeitsschäden gehören zu den häufigsten versteckten Defekten gebrauchter MacBooks, da das Gerät danach noch monatelang funktionieren kann.

Achten Sie auf Korrosion oder weißliche Ablagerungen an den Anschlüssen, Rückstände in den Spalten um die Tasten, auffälligen Geruch, einen verformten oder leicht gewölbten Unterboden, fehlende oder zerkratzte Schrauben, einen ungleichmäßigen Spalt zwischen Ober- und Unterteil sowie eine neue Tastaturoberseite in einem ansonsten stark abgenutzten Gehäuse. Abgenutzte, beschädigte oder überlackierte Schrauben zeigen, dass bereits jemand das Gerät geöffnet hat. Das allein ist noch kein Ausschlussgrund, verändert aber die entscheidende Frage von „Wie viel kostet es?“ zu „Was wurde daran gemacht?“.

Entscheidungstabelle: Was ist eine Kleinigkeit und was ein Ausschlussgrund?

BefundSo sollten Sie ihn bewerten
Abgenutzte Ecken, abgeschabte Beschichtung, Druckstellen auf dem DeckelKleinigkeit – Argument für die Preisverhandlung, kein Defekt
600–900 Zyklen, Zustand NormalKleinigkeit – rechnen Sie innerhalb der nächsten Monate mit einem Batteriewechsel
Service empfohlen bei der BatterieVerhandeln – Kosten des Batteriewechsels in den Preis einrechnen
Eine Taste löst mehrfach aus oder reagiert nichtVerhandeln – bei der Butterfly-Generation besonders vorsichtig sein
Zyklenzahl nicht feststellbar, weil sich das Gerät nicht einschalten lässtAusschlussgrund – ohne Einschalten ist keine Prüfung möglich
Verkäufer ist nicht von seinem Apple Account abgemeldetAusschlussgrund – nicht kaufen, unabhängig vom Preis
Der Mac lässt sich nicht löschen und der Einrichtungsassistent nicht durchlaufenAusschlussgrund
Spuren eines Flüssigkeitsschadens, Korrosion oder auffälliger GeruchAusschlussgrund bei einem normalen Gebrauchtkauf
Gewölbter Unterboden, unebenes Trackpad oder verformtes GehäuseAusschlussgrund – aufgeblähte Batterie und verzogene Baugruppe
„Teile & Service“ meldet beim Logic Board Nicht überprüftVorsicht – fragen Sie, was wo durchgeführt wurde
Original-Ladegerät fehlt, ansonsten ist alles in OrdnungKleinigkeit

Diese Tabelle ersetzt kein Sachverständigengutachten. Sie zeigt die Reihenfolge, in der Sie Ihre Fragen stellen sollten, damit offene Punkte nicht erst auf dem Heimweg auffallen.

Wenn Sie unsicher sind

Eine Prüfung am Tisch deckt die meisten, aber nicht alle Probleme auf. Eine beginnende Aufblähung der Batterie, einsetzende Korrosion unter dem Board oder ein früherer Eingriff ohne Eintrag werden mitunter erst nach dem Öffnen sichtbar. Wenn Sie ein teureres Gerät kaufen und Gewissheit wünschen, können Sie es vor dem Kauf oder unmittelbar danach überprüfen lassen.

Wir führen in Brno Hardware-Reparaturen außerhalb der Garantie sowie Diagnosen an MacBooks durch. Schreiben Sie uns über das Kontaktformular oder rufen Sie unter 774 777 774 an und senden Sie die Modellidentifizierung sowie Fotos mit. Ohne Diagnose versprechen wir weder einen Preis noch die Verfügbarkeit eines Ersatzteils. Wir sind kein autorisierter Apple-Service-Provider. Die Kontrolle nach einer Reparatur – also eine andere Situation als die hier beschriebene – behandeln wir im Artikel Was Sie bei der Abholung eines Apple-Geräts nach der Reparatur prüfen sollten.

Häufig gestellte Fragen

Ich kaufe ein MacBook Air M1 von 2020 – wie viele Batteriezyklen sind noch in Ordnung?

Apple nennt für das MacBook Air (M1, 2020) eine maximale Anzahl von 1000 Zyklen. Bis etwa 400 Zyklen besitzt die Batterie noch eine große Reserve; bei ungefähr 800 Zyklen ist es sinnvoll, einen Austausch einzuplanen. Entscheidend ist jedoch die Kombination mit der Anzeige im Bereich „Batterie“: 900 Zyklen und die Meldung Normal sind besser als 500 Zyklen und Service empfohlen.

Der Verkäufer behauptet, das MacBook sei noch nie repariert worden. Lässt sich das überprüfen?

Teilweise. Auf einem Mac mit Apple Chip und macOS Tahoe 26 oder neuer erscheint unter Systemeinstellungen → Allgemein → Info der Bereich Teile & Service – allerdings nur, wenn das System eine Reparatur erkennt. Auf einem Intel-MacBook gibt es diesen Bereich überhaupt nicht. Ein fehlender Eintrag beweist daher nicht, dass das Gerät nie repariert wurde. Klarheit schafft erst eine physische Überprüfung.

Kann ich ein 13″ MacBook Pro von 2018 mit Butterfly-Tastatur kaufen?

Ja, aber nur mit offenen Augen. Testen Sie alle Tasten, fragen Sie, ob die Tastatur bereits ausgetauscht wurde, und berücksichtigen Sie im Preis, dass ein weiterer Eingriff notwendig werden könnte. Wenn Sie dieses Risiko nicht eingehen möchten, ist ein Modell mit Scherenmechanismus die sinnvollere Wahl.

Was ist, wenn das MacBook durch die Aktivierungssperre gesperrt und der Verkäufer „nicht erreichbar“ ist?

Dann kaufen Sie das Gerät nicht. Die Aktivierungssperre ist an den Account des ursprünglichen Eigentümers gebunden und wird vom Service nicht umgangen – weder bei uns noch anderswo. Aus einem vermeintlichen Schnäppchen wird in diesem Fall ein unbrauchbarer Aluminiumblock.

Reicht zur Überprüfung der Batterie eine App aus dem Internet?

Nicht als einzige Grundlage. Apple weist selbst darauf hin, dass Apps von Drittanbietern, die den Batteriezustand anzeigen, ungenau sein können. Lesen Sie die Zyklen unter Systeminformationen → Stromversorgung und den Zustand unter Systemeinstellungen → Batterie ab.

Quellen