Die Situation
Die Festplatte kam in einem Karton per Kurier. Im Begleitschreiben stand eine Zeile: „Sie war schon in einer anderen Werkstatt. Jetzt brauchen wir das ernsthaft.“
Es handelte sich um eine WD WD10JPVX 1 TB 2,5” — eine Standard-Notebook-Festplatte aus dem Jahr 2013. Das Problem: Jemand in der vorherigen Werkstatt hatte die Festplatte geöffnet, offensichtlich ohne staubfreie Umgebung.
Für den B2B-Kunden waren es kritische technische Daten aus der Projektdokumentation von zwei Jahren. Keine Sicherung außerhalb dieser einen Festplatte.

Diagnose
Die Sichtprüfung nach der Annahme war unangenehm:
- Die Schrauben des Deckels waren herausgedreht, einige ließen sich nicht festziehen (überdrehte Gewinde).
- Der Deckel saß schief — man sah, dass jemand versucht hatte, den Deckel aufzusetzen und anschließend wieder zu entfernen.
- Die Dichtung rund um den Deckel war beschädigt. Das Labyrinth zur Luftfilterung war von außen mit Staub zugesetzt.
Unter dem Elektronenmikroskop im Clean Room:
- Datenoberflächen kontaminiert — Staubpartikel in mehreren Bereichen. Zu 80 % auf Spuren in der Zone häufiger Schreibvorgänge.
- Schreib-/Lesekopf-Block mechanisch defekt — die Arme waren von jemandem verbogen, der Slider von Kopf 1 liegt nicht mehr gleichmäßig über dem Platter.
- Parkrampe unbeschädigt — die einzige gute Nachricht, die Festplatte lässt sich sicher anhalten und anlaufen.
Der Mitarbeiter der vorherigen Werkstatt hat die Köpfe vermutlich „nach Augenmaß“ wieder eingesetzt und versucht, die Festplatte direkt an Windows anzuschließen. Das Ergebnis war ein Rotationszyklus von weiteren paar Sekunden, in denen Staubpartikel unter dem Kopf weitere Daten mitreißen konnten.
Die Lösung
Insgesamt 9 Tage — ein zügiger Verlauf dank der klaren Diagnose:
- Tag 1: Annahme vom B2B-Partner per Kurier, Sichtprüfung, Mikroskop, Röntgenkontrolle der Integrität von Motor und Lagern.
- Tag 2–3: Vollständige Reinigung in der Reinkammer. Die Datenoberflächen durchliefen mehrere Reinigungszyklen — Isopropanol + spezielle fusselfreie Tücher + Vakuum-Absaugung loser Partikel. Raumgröße 10 m³, Filterung von 100 Partikeln 0,5 μm/Kubikfuß.
- Tag 4: Spendersuche. Die WD WD10JPVX 2013 hat mehrere Firmware-Revisionen, wichtig ist eine übereinstimmende Version. Wir fanden eine auf Lager, Herstellungsjahr ±6 Monate.
- Tag 5: Transplantation des Schreib-/Lesekopf-Blocks vom Spender. Präzisionsarbeit — die Köpfe müssen exakt in Position für die Parkrampe sein, keine Gewalt, die ganze Operation im Clean Room.
- Tag 6–7: Imaging über DeepSpar Disk Imager. Eine aggressive Strategie für die defekten Sektoren — die Festplatte blieb an zwei Stellen stehen, wo die Kontamination am stärksten war. Insgesamt wurden 9 % der Sektoren nicht gelesen.
- Tag 8: NTFS-Rekonstruktion aus dem Klon, die MFT in Ordnung, das Dateisystem ließ sich ohne manuelle Nachsuche rekonstruieren.
- Tag 9: Kontrolle der wiederhergestellten Daten, Export über den B2B-Partner an den Kunden. 91 % der Dateien fehlerfrei in Ordnung, 4 % beschädigte JPG/PDF, 5 % fehlen.
Das Ergebnis
- 91 % der Daten wiederhergestellt (ca. 560 GB von 620 GB belegter Kapazität)
- 9 Tage insgesamt
- Die Projektdokumentation blieb vollständig erhalten. Es fehlten nur alte Rechnungssicherungen, die der Kunde noch im Buchhaltungssystem hatte.
- Der B2B-Partner erhielt einen Standardbericht und eine Rechnung, der Kunde übernahm die Daten.
Erkenntnisse
Sobald eine Festplatte geöffnet ist, zählt die Zeit. Jede Stunde, die sie im Staub liegt, verschlechtert die Chancen. Jedes weitere Einschalten bedeutet das Risiko, dass ein Partikel zwischen Kopf und Platter weitere Daten mit sich nimmt.
Ein paar Regeln für diejenigen, die dennoch nicht auf Eigenhilfe verzichten wollten:
- Sobald Sie die Festplatte geöffnet haben, schließen Sie sie sofort und bringen Sie sie zu einer Werkstatt mit Reinkammer. Versuchen Sie nicht, die Köpfe „auszurichten“.
- Öffnen Sie die Festplatte nicht in einer Umgebung, in der sich Menschen, Katzen oder Staub bewegen. Küche, Wohnzimmer, Garage sind ein Glücksspiel.
- Wenn ein Unternehmen „Datenrettung“ anbietet und keinen Clean Room hat, fragen Sie konkret, wo es Festplatten öffnet. Wenn Sie keine klare Antwort erhalten, suchen Sie weiter.
Für B2B-Partner — genau das ist der Grund, warum Sie wertvolle Fälle an uns schicken. Wir haben einen Clean Room der Klasse 100, Mikroskope, Lagerfestplatten für Transplantationen und Geräte zur Sektorextraktion. Das kann eine Garage nicht ersetzen.
Worauf zu achten ist
Wenn ein B2B-Kunde behauptet, „die Festplatte war schon bei einem anderen Spezialisten“, lohnt es sich, konkret nachzufragen: wo, wie lange sie offen war, in welcher Umgebung. Diese 30 Sekunden an Fragen ersparen uns oft Tage an Arbeit — und Ihnen unnötige Hoffnungen.
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