Die kurze Antwort: Beginnen Sie mit der Domain, dem E-Mail-Tenant und den Backups – nicht mit den Bürocomputern. Sichern Sie in den ersten Stunden den administrativen Unternehmenszugang zur Domain, zu Microsoft 365 oder Google Workspace und zum Backup-Speicher. Beenden Sie die Fernzugriffe des ehemaligen Administrators und führen Sie erst danach die Bestandsaufnahme durch. Innerhalb von sieben Tagen sollten Sie über eigene Administratorkonten, eine Übersicht der Abhängigkeiten und eine getestete Datenwiederherstellung verfügen – nicht nur über eine Passwortliste.
Der Weggang eines IT-Administrators macht sich normalerweise nicht durch einen Ausfall bemerkbar. Er zeigt sich bei einer ganz gewöhnlichen Anfrage: Ein neuer Mitarbeiter soll ein E-Mail-Konto erhalten, die Domain muss verlängert oder eine Telefonnummer auf der Website geändert werden. Dann stellt sich heraus, dass die Domain auf seine private E-Mail-Adresse registriert ist, der zweite Faktor für Microsoft an ein Telefon gesendet wird, über das das Unternehmen nicht mehr verfügt, und der Backup-Auftrag auf dem NAS seit zwei Monaten Fehlermeldungen an eine Adresse schickt, die niemand liest.
Eine geregelte Übergabe, bei der der ausscheidende Administrator mitarbeitet, beschreibt der Artikel Ihr IT-Administrator ist weg? So übernehmen und übergeben Sie die Unternehmens-IT ohne Ausfall. Dieser Text setzt eine Stufe schwieriger an: Die Übergabe hat entweder überhaupt nicht stattgefunden oder Sie können sich nicht auf sie verlassen.
Das Ziel der ersten Woche besteht nicht darin, das Netzwerk umzubauen oder einen neuen Server zu kaufen. Es geht um fünf Dinge:
- den Zugang des ehemaligen Administrators zu beenden, bevor ihn jemand missbraucht,
- Unternehmensdaten und Konfigurationen zu sichern, die zusammen mit seinem Konto verschwinden könnten,
- administrative Berechtigungen zu erhalten, die dem Unternehmen gehören,
- herauszufinden, wovon das Unternehmen tatsächlich abhängig ist,
- nachzuweisen, dass sich die Backups wiederherstellen lassen.
Erst der sechste Punkt ist die Dokumentation – und sie ist das einzige Ergebnis, das Ihnen auch dann bleibt, wenn der neue Administrator später ebenfalls ausscheidet.
Die ersten zwei Stunden: Wer entscheidet und welche Zugänge werden geschlossen?
Bestimmen Sie eine Person aus der Geschäftsleitung, die die Übernahme genehmigt. Sie muss sich nicht mit VLANs auskennen. Sie muss entscheiden können, wer administrativen Zugriff erhält und welche Änderungen im laufenden Betrieb vorgenommen werden dürfen – denn in den nächsten Tagen wird Ihnen jemand beide Fragen unter Zeitdruck stellen.
Besteht die Gefahr eines Kontomissbrauchs, beginnen Sie mit dem Sperren der Zugänge. Das Ändern des Hauptpassworts allein reicht nicht aus: Ein bereits ausgegebenes Zugriffstoken bleibt in Microsoft 365 üblicherweise bis zu seinem Ablauf gültig, meist für einige Stunden. Eine angemeldete Sitzung läuft daher weiter, bis Sie sie ausdrücklich widerrufen – in Entra ID über „Revoke sessions“ oder in PowerShell mit Revoke-MgUserSignInSession. Dasselbe Prinzip gilt für Google Workspace und die meisten Cloud-Dienste.
Prüfen Sie alle Zugangswege, die das Passwort vollständig umgehen:
- VPN-Konten und Client-Zertifikate (bei OpenVPN muss auch das Zertifikat widerrufen werden; das Löschen des Kontos allein genügt nicht),
- Fernwartung – AnyDesk, TeamViewer, RustDesk oder einen RMM-Agenten, der dauerhaften Zugriff auf die Arbeitsstationen ermöglicht,
- SSH-Schlüssel in
~/.ssh/authorized_keysauf Servern sowie in DSM oder QTS auf dem NAS, - private Konten des Administrators, die in Microsoft 365, Google Workspace, Cloudflare, beim Hosting-Anbieter oder beim Registrar als Administrator hinterlegt sind,
- API-Tokens, App-Passwörter (App Passwords umgehen MFA) und den Zugriff auf den Passwortmanager,
- automatische E-Mail-Weiterleitungen und delegierte Zugriffe auf Postfächer.
Löschen Sie das Konto jedoch nicht sofort. Sichern Sie zunächst das Postfach, OneDrive oder Drive, die Dokumentation und die Kommunikation mit Lieferanten – häufig findet sich nur dort ein Hinweis darauf, bei wem die Domain registriert ist. Prüfen Sie, wie sich die jeweilige Plattform beim Entzug einer Lizenz verhält: Der Inhalt eines Postfachs verschwindet nicht sofort, doch die Fristen unterscheiden sich je nach Dienst und Konfiguration. Exportieren Sie die Daten deshalb, bevor Sie sich auf eine Aufbewahrungsfrist verlassen.
Ändern Sie außerdem nicht pauschal alle Passwörter. Unter dem Konto des Administrators können Backup-Aufträge, Scan-to-E-Mail-Funktionen eines Multifunktionsgeräts, NAS-Synchronisierungen oder geplante Skripte laufen. Eine unkontrollierte Passwortänderung legt möglicherweise einen Dienst still, von dessen Existenz Sie noch nichts wissen. Der Zusammenhang mit der Änderung wird womöglich nicht erkannt, weil der Fehler erst eine Woche später beim Monatsabschluss auftritt.
Sieben-Tage-Plan für die Übernahme der Unternehmens-IT
| Termin | Was erledigt sein muss | Ergebnis |
|---|---|---|
| Tag 1 | Domain, E-Mail-Tenant, Administratorkonten und Fernzugriffe sichern | Das Unternehmen verfügt über einen eigenen administrativen Zugang |
| Tag 2 | Geräte, Server, Cloud-Dienste, Lizenzen und Lieferanten erfassen | Es ist klar, was vorhanden ist und wer dafür bezahlt |
| Tag 3 | Netzwerk und Abhängigkeiten zwischen den Diensten abbilden | Änderungen lassen sich ohne unnötige Ausfälle planen |
| Tag 4 | Backups, Verschlüsselungsschlüssel und Fehlerhistorie prüfen | Es ist ersichtlich, was wiederhergestellt werden kann |
| Tag 5 | Ausgewählte Daten praktisch wiederherstellen | Das Backup ist verifiziert und nicht nur „grün“ |
| Tag 6 | Risiken nach Schweregrad auflisten | Die Geschäftsleitung weiß, was sofort erledigt werden muss und was warten kann |
| Tag 7 | Dokumentation, Maßnahmenplan und Verwaltungsregeln erstellen | Der Betrieb hängt nicht mehr von einer einzelnen Person ab |
Die Reihenfolge kann sich je nach Situation ändern. Ein nicht funktionierendes Backup der Buchhaltung hat Vorrang vor der Inventarisierung der Drucker. Ein unbekanntes Passwort für das Gäste-WLAN ist dagegen kein Grund, das Netzwerk abzuschalten.
Checkliste der Konten, die das Unternehmen kontrollieren muss
Eine Passwortliste in Excel ist keine Übernahme. Das Unternehmen muss Eigentümer des Kontos und Vertragspartner des Anbieters sein sowie die Wiederherstellungsadresse und den zweiten Faktor kontrollieren – das sind vier unterschiedliche Dinge, von denen jedes einzelne fehlen kann.
| Bereich | Was übernommen und geprüft werden muss |
|---|---|
| Domain | Konto beim Registrar, eingetragener Inhaber, Rechnungskontakt, Wiederherstellungs-E-Mail, Mehrfaktor-Authentifizierung, Transfersperre |
| DNS | Autoritative Nameserver, Export der Zone, Zugang zu Cloudflare oder zum DNS-Hosting, DNSSEC |
| Globaler Administrator von Microsoft 365 oder Super-Administrator von Google Workspace, Lizenzen, Abrechnung, MX, SPF, DKIM, DMARC | |
| Identitäten | Microsoft Entra ID, Gruppen, Administratorrollen, bedingter Zugriff, verbundene Anwendungen und erteilte OAuth-Berechtigungen |
| Internet und Netzwerk | Konto beim Anbieter, Router, Firewall, Switches, WLAN-Controller, VLAN, DHCP, VPN, öffentliche IP-Adressen |
| Server | Windows Server, Linux, Hyper-V, VMware oder Proxmox, Dienstkonten, Konsolen, Verschlüsselungsschlüssel |
| NAS und Backups | Synology DSM, QNAP QTS, Veeam, Hyper Backup, Active Backup for Business oder HBS 3, Zielspeicher und Schlüssel für verschlüsselte Backups |
| Computer | Lokaler Administrator, BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel, Intune oder ein anderes MDM, Virenschutz, RMM |
| Web und Cloud | Hosting, SSL-Zertifikate, GitHub oder GitLab, Azure, AWS, Buchhaltungs- und CRM-Systeme |
| Sonstiger Betrieb | VoIP-Telefonanlage, Kamerasystem, Zeiterfassung, UniFi- oder Omada-Controller, Drucker und Scan-to-E-Mail |
Notieren Sie für jeden Eintrag den Eigentümer des Dienstes, die Administratoren, das Verfahren zur Wiederherstellung des Zugangs, das Datum der nächsten Zahlung und bestehende Abhängigkeiten. Passwörter gehören in einen unternehmenseigenen Passwortmanager – etwa Bitwarden, 1Password oder Keeper –, nicht in eine freigegebene Tabelle auf einem Laufwerk und schon gar nicht in eine E-Mail.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel. Waren die Arbeitsstationen mit einer Domain oder Entra ID verbunden, wurden die Schlüssel wahrscheinlich automatisch dort gesichert und können über die Verwaltungskonsole abgerufen werden. Liefen die Geräte dagegen als eigenständige Computer mit einem lokalen Konto, befinden sich die Schlüssel möglicherweise im Microsoft-Konto des Technikers oder auf einem Ausdruck – andernfalls nirgends. Ausführlich behandelt dies der Artikel darüber, was zu tun ist, wenn BitLocker nach einem Windows-Update plötzlich den Wiederherstellungsschlüssel verlangt.
In welcher Reihenfolge Zugänge geändert werden sollten
Arbeiten Sie sich von den Konten, über die sich alle anderen wiederherstellen lassen, bis zu den Endgeräten vor:
- Unternehmensdomain und Konto beim Registrar.
- Zentraler E-Mail-Tenant und Identitätssystem (Entra ID, Google Workspace).
- Passwortmanager und Backup-Konten.
- Cloud, Hosting, Server, Firewall und Fernzugriff.
- Geschäftsanwendungen und gewöhnliche Endgeräte.
Die Logik ist einfach: Wer die Domain kontrolliert, kann E-Mails umleiten. Wer die E-Mails kontrolliert, kann die Zugänge zu fast allen anderen Diensten zurücksetzen. Wenn Sie mit der Neueinrichtung der Notebooks beginnen, bearbeiten Sie die Blätter des Baums, während sich die Wurzel weiterhin in fremden Händen befindet.
Richten Sie sowohl für Microsoft 365 als auch für Google Workspace mindestens zwei Administratorkonten ein, die dem Unternehmen gehören. Sie dürfen weder mit der privaten Adresse eines Technikers verknüpft sein noch für die tägliche E-Mail-Kommunikation verwendet werden. Prüfen Sie bei Microsoft 365 außerdem, ob ein Notfallzugangskonto vorhanden ist, das vom bedingten Zugriff ausgenommen ist. Ohne ein solches Konto kann eine falsch konfigurierte Regel den gesamten Tenant aussperren.
Stellen Sie vor der Änderung des Passworts eines Dienstkontos fest, wo es überall gespeichert ist. Ein einziges Konto bedient häufig das Backup, einen Drucker, eine Webanwendung und ein geplantes Skript. Eine Änderung ohne Übersicht der Abhängigkeiten erzeugt eine Reihe scheinbar unzusammenhängender Störungen, deren Ursache wesentlich schwieriger zu finden ist als bei einem einzelnen geplanten Ausfall.
Domain und DNS haben Vorrang vor den Bürocomputern
Wer Domain und DNS kontrolliert, kann die Website umleiten, die E-Mail-Zustellung verändern und gegenüber einem Cloud-Dienst den Besitz der Domain nachweisen, um dort einen Zugang einzurichten. Trotzdem ist die Domain häufig auf die Person registriert, die sie irgendwann einmal „eingerichtet“ hat.
Prüfen Sie direkt beim Registrar, ob das Unternehmen als Inhaber eingetragen ist und ob die Kontaktdaten aktuell sind. Bei tschechischen Domains lässt sich der Inhaber im öffentlichen Register von CZ.NIC ermitteln. Eine Änderung des Eintrags ist jedoch nur über das Konto beim Registrar oder durch einen Identitätsnachweis möglich. Die bloße Möglichkeit, DNS-Einträge zu bearbeiten, reicht nicht aus – sie ist eine Berechtigung, kein Eigentumsnachweis.
Exportieren Sie die Zone vor jeder Änderung. Erfassen Sie MX-Einträge für E-Mails, TXT-Einträge zur Verifizierung von Diensten, SPF, DKIM – bei Microsoft 365 lauten die Selektoren häufig selector1 und selector2, bei Workspace google –, DMARC, Subdomains sowie Einträge für VPN oder Fernzugriff. Überschreiben Sie die Zone nicht ausschließlich anhand dessen, was auf der Website sichtbar ist: Ein TXT-Eintrag zur Verifizierung oder ein CNAME für Autodiscover erfüllt keinen öffentlich erkennbaren Zweck, und seine Löschung macht sich möglicherweise erst Wochen später bemerkbar.
Ein Backup ist erst übernommen, wenn Sie daraus Daten wiederhergestellt haben
Ein grünes Symbol in Synology DSM, QNAP QTS oder der Veeam-Konsole belegt nur eines: Der Auftrag wurde abgeschlossen. Es sagt nichts darüber aus, ob die richtigen Daten gesichert werden, ob Sie den Verschlüsselungsschlüssel kennen und ob eine Wiederherstellung technisch möglich ist.
Prüfen Sie in der ersten Woche:
- was genau gesichert und was vom Auftrag ausgeschlossen wird (Ausnahmen sind häufig Jahre alt und wurden nie überprüft),
- wo die Kopien gespeichert werden und ob eine Kopie außerhalb des Gebäudes existiert,
- ob der Backup-Speicher dauerhaft mit demselben Konto wie die Produktionsumgebung verbunden ist – dann wird er von Ransomware zusammen mit ihr verschlüsselt,
- wie lange ältere Versionen aufbewahrt werden und ob sie einen Monat lang unbemerkte Fehler überstehen würden,
- wer das Passwort und den Verschlüsselungsschlüssel für das Backup besitzt,
- ob Fehlermeldungen tatsächlich an eine Adresse gesendet werden, die jemand liest.
Führen Sie anschließend eine isolierte Wiederherstellung durch: einige Dateien und mindestens ein wichtiges System oder einen repräsentativen Teil davon. Öffnen Sie die wiederhergestellte Datei. Bei einer Datenbank genügt es nicht, dass eine Datei in der richtigen Größe entstanden ist – sie muss von der Anwendung akzeptiert werden, die mit ihr arbeitet.
RAID ist kein Backup, und auch eine zweite Festplatte im selben NAS ist keines. Beides schützt vor dem Ausfall einer Festplatte, nicht vor Löschung, Ransomware oder unbemerkter Datenbeschädigung. Die Zusammenhänge erläutern die Artikel über RAID-Level in der Praxis und über eine externe Festplatte als Backup nach der 3-2-1-Regel. Bei der Übernahme brauchen Sie vor allem den Nachweis, dass eine unabhängige und nutzbare Kopie vorhanden ist.
Wenn der Wiederherstellungstest fehlschlägt – das Volume ist degradiert, niemand kennt den Schlüssel oder der Auftrag wurde seit Monaten nicht erfolgreich abgeschlossen –, versuchen Sie nicht, das Problem durch Ausprobieren an der einzigen Datenkopie zu lösen. Senden Sie uns eine Anfrage zur Datenrettung. Wir klären zunächst, welche Daten sich unter welchen Bedingungen noch retten lassen. Ein mit der Begründung „damit es wieder läuft“ gestarteter Rebuild eines degradierten Arrays kann die restlichen Daten endgültig zerstören.
Wo sich undokumentierte Abhängigkeiten verbergen
Eine technische Bestandsaufnahme allein zeigt nicht, dass die Buchhaltung Daten über einen Netzwerkordner auf einem alten Server exportiert, dass das Lager Etiketten von einem einzigen Computer mit installiertem Treiber druckt oder dass ein Skript unter dem persönlichen Konto des ehemaligen Administrators das Backup startet. Fragen Sie die Mitarbeiter, was bei einem Ausfall des Internets, des Servers oder einer bestimmten Arbeitsstation nicht mehr funktioniert. So erhalten Sie eine Übersicht, die kein Netzwerkscan erstellen kann.
Prüfen Sie ergänzend:
- die automatische Erneuerung von SSL-Zertifikaten (ein Let’s-Encrypt-Zertifikat ist 90 Tage gültig, sodass sich der Ausfall eines Cronjobs erst drei Monate später bemerkbar macht),
- geplante Aufgaben und Skripte auf Servern und Arbeitsstationen,
- SMTP-Konten von Druckern, Websites und Kameras – oft handelt es sich um ein App-Passwort, das selbst eine Änderung des Hauptpassworts übersteht,
- freigegebene Postfächer und E-Mail-Weiterleitungen,
- lokale Datenbanken von Buchhaltungsprogrammen (Pohoda und ähnliche Anwendungen verwenden häufig eine dateibasierte Datenbank auf einem freigegebenen Laufwerk),
- Lizenzen, die an die E-Mail-Adresse, Hardware oder Zahlungskarte des ehemaligen Administrators gebunden sind,
- die USV und das Verfahren, mit dem Server oder NAS bei einem Stromausfall kontrolliert heruntergefahren werden.
Dokumentieren Sie zunächst die Abhängigkeit und übertragen Sie sie erst danach auf ein neues Dienstkonto. Die umgekehrte Reihenfolge ist die häufigste Ursache für Ausfälle bei einer Übernahme.
Was das Unternehmen nach der Übernahme erhalten sollte
Das Ergebnis darf nicht nur aus der Aussage „Wir haben jetzt überall Zugriff“ bestehen. Verlangen Sie ein konkretes Übergabepaket:
- ein Inventar der Geräte, Dienste und Lizenzen,
- eine Liste der Administrator- und Dienstkonten mit Angabe des jeweiligen Eigentümers,
- einen einfachen Netzwerkplan,
- Exporte wichtiger Konfigurationen (Firewall, DNS-Zone, Backup-Aufträge),
- eine Übersicht der Domains, DNS-Einstellungen und Zertifikate mit Ablaufdaten,
- eine Beschreibung der Backups einschließlich des Ergebnisses des Wiederherstellungstests,
- eine Liste der Lieferanten, Verträge und Zahlungstermine,
- eine Einteilung der Risiken in kritisch, hoch und aufschiebbar,
- einen Maßnahmenplan mit verantwortlicher Person und Frist für jede Aufgabe.
Die Dokumentation gehört in den Unternehmensbereich und muss mindestens zwei autorisierten Personen zugänglich sein. Andernfalls haben Sie lediglich eine alte Abhängigkeit durch eine neue ersetzt.
Was eine Übernahme kostet und was das Angebot enthalten sollte
Eine Übernahme lässt sich nicht seriös anhand der Anzahl der Computer kalkulieren. Der Umfang hängt von der Zahl der Standorte, Server und Cloud-Dienste, vom Zustand der Dokumentation, von der Kooperationsbereitschaft des bisherigen Administrators und davon ab, ob Sie gegenüber Anbietern den Besitz von Konten nachweisen müssen.
Teilen Sie das Angebot in drei Bereiche auf:
- Sicherung der kritischen Zugänge.
- Audit und Dokumentation.
- Behebung der festgestellten Probleme.
Die ersten beiden Bereiche können einen festen Umfang oder eine genehmigte Obergrenze für Arbeitsstunden haben. Reparaturen werden erst anhand des ermittelten Zustands kalkuliert. Wer sie im Voraus bepreist, rät entweder oder rechnet einen Puffer für den schlimmsten Fall ein. Ein Angebot über eine „vollständige Übernahme“ ohne Auflistung der Ergebnisse ist eine Einladung zum Streit darüber, was eigentlich bestellt wurde.
Fassen Sie die Kosten der anschließenden Betreuung nicht mit der Übernahme in einer einzigen Position zusammen. Den Unterschied zwischen einer Pauschale und einer Abrechnung nach Stunden erläutert der Artikel Was kostet die IT-Betreuung eines kleinen Unternehmens?. Die einmalige Wiederherstellung der Kontrolle über eine vernachlässigte Umgebung und die regelmäßige Betreuung sind zwei unterschiedliche Dienstleistungen mit einer jeweils anderen Kostenstruktur.
Woran Sie eine fachgerecht durchgeführte Übernahme erkennen
Ein guter Administrator erfasst am ersten Tag die Abhängigkeiten und sichert die Konfigurationen. Er ersetzt nicht die Firewall, nur weil er eine andere Marke bevorzugt.
Warnsignale:
- Konten bleiben mit der privaten E-Mail-Adresse des Technikers verknüpft,
- das Unternehmen besitzt keinen eigenen administrativen Zugang, sondern nur das Versprechen, ihn später zu erhalten,
- niemand hat einen Wiederherstellungstest durchgeführt,
- Passwörter werden per gewöhnlicher E-Mail verschickt,
- eine Liste der vorgenommenen Änderungen fehlt,
- alles läuft unter einem einzigen Konto, ohne dass nachvollziehbar ist, wer welche Aktion durchgeführt hat,
- der Kauf neuer Technik wird empfohlen, bevor die Bestandsaufnahme abgeschlossen ist,
- es gibt kein Verfahren für eine spätere Übergabe an einen anderen Dienstleister.
Der Test ist einfach: Wenn der neue Administrator morgen nicht erreichbar wäre, würde das Unternehmen weiterhin seine Konten kontrollieren, wissen, wo sich die Daten befinden, und über eine brauchbare Dokumentation verfügen? Wenn ja, wurde die Übernahme gut durchgeführt. Wenn nicht, haben Sie lediglich den Namen am einzigen Schlüssel ausgetauscht.
Wenn Sie das Thema abschließen und ein Ergebnis erhalten möchten, das Sie sowohl gegenüber der Geschäftsleitung als auch gegenüber dem nächsten Dienstleister vertreten können, kontaktieren Sie uns. Wir führen die IT-Übernahme, das Zugriffs-Audit und den Wiederherstellungstest der Backups als einen Auftrag mit einer vorab festgelegten Liste von Ergebnissen durch.
Was tun, wenn der bisherige Administrator nicht mitarbeitet?
Beginnen Sie mit Eigentumsnachweisen: Verträgen, Rechnungen, den Daten des eingetragenen Domaininhabers und den bei Anbietern hinterlegten Unternehmenskontakten. Registrar, Hosting- und Cloud-Anbieter haben in der Regel eigene Verfahren zur Wiederherstellung des Zugangs. Diese beruhen meist auf einem Identitätsnachweis des Unternehmens und nicht auf der Kenntnis des Passworts. Ist ein Dienst auf eine Privatperson registriert, ist die Übernahme schwieriger und lässt sich nicht allein durch das Zurücksetzen des Passworts lösen.
Versuchen Sie nicht, Sicherheitsmaßnahmen durch blindes Ausprobieren zu umgehen. Bei einem verschlüsselten NAS-Volume, BitLocker oder einem verschlüsselten Backup können Sie administrativen Zugriff erlangen und trotzdem keinen Zugriff auf die Daten erhalten. Der Verschlüsselungsschlüssel ist nicht Bestandteil der Administratorberechtigung, und ohne ihn bleibt der Inhalt unlesbar.
Dokumentieren Sie fortlaufend, welche Zugänge fehlen, wer wann kontaktiert wurde und welche Nachweise Sie vorgelegt haben. Diese Aufzeichnung ist später die einzige brauchbare Grundlage für Gespräche mit Anbietern und für einen möglichen Vertragsstreit.
Häufig gestellte Fragen
Müssen wir das Konto des ehemaligen IT-Administrators sofort sperren?
Bei einem Sicherheitsrisiko ja – aber in der richtigen Reihenfolge. Sichern Sie zunächst ein zweites Administratorkonto, das dem Unternehmen gehört, und exportieren Sie die Daten aus seinem Postfach und Cloud-Speicher. Sperren Sie erst danach die Anmeldung, widerrufen Sie aktive Sitzungen und entfernen Sie VPN-Zugänge, SSH-Schlüssel, API-Tokens, App-Passwörter und Fernwartungszugriffe. In der umgekehrten Reihenfolge können Sie sich selbst aus Ihrem eigenen Tenant aussperren.
Müssen wir alle bisherigen Passwörter kennen?
Nein. Entscheidend sind der nachgewiesene Besitz des Dienstes und die Möglichkeit, ein Administratorkonto sicher zu erstellen oder wiederherzustellen. Passwörter, die nur Ihnen und dem ehemaligen Administrator bekannt sind, müssen ohnehin geändert werden. Eine Ausnahme bilden Dienstkonten: Stellen Sie bei ihnen zunächst fest, welche Systeme sie verwenden, und ändern Sie die Passwörter erst danach.
Wie lange dauert die Übernahme der IT-Administration?
Bei guter Zusammenarbeit lassen sich die kritischen Konten innerhalb des ersten Tages sichern. Eine vollständige Bestandsaufnahme, die Überprüfung der Backups und die Erfassung der Abhängigkeiten nehmen üblicherweise mehrere Arbeitstage in Anspruch. Ein nicht erreichbarer ehemaliger Administrator oder Dienste, die auf eine Privatperson registriert sind, verlängern den Prozess um die Dauer des jeweiligen Anbieterverfahrens – unabhängig von Ihrem eigenen Arbeitstempo.
Kann eine Domain übernommen werden, wenn niemand die Zugangsdaten kennt?
Häufig ja, sofern das Unternehmen als Inhaber eingetragen ist und dem Registrar seine Identität nachweisen kann. Ist die Domain auf einen ehemaligen Mitarbeiter oder externen Dienstleister als Privatperson registriert, richtet sich das Verfahren nach den Regeln des Registrars und den vorhandenen Vertragsunterlagen. Deshalb ist der eingetragene Domaininhaber wichtiger als die Frage, wer sich in der Verwaltung anmelden kann.
Wie prüfen wir, ob die Backups tatsächlich funktionieren?
Durch eine Wiederherstellung an einem getrennten Speicherort und das praktische Öffnen der Daten: Ein Dokument muss geöffnet, eine Datenbank mit der zugehörigen Anwendung verbunden werden. Prüfen Sie außerdem, ob ältere Versionen verfügbar sind, ob Ihnen der Verschlüsselungsschlüssel vorliegt und ob ein dokumentiertes Verfahren zur Wiederherstellung des gesamten wichtigen Systems existiert – nicht nur einzelner Dateien. Ein Wiederherstellungstest, den seit einem Jahr niemand wiederholt hat, ist genauso aussagekräftig wie gar kein Test.
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